Frank Göhre / Zappas letzter Hit

Cover »Zappas letzter Hit«
232 Seiten | Paperback
ISBN 3-86532-050-3 | 9.90 EUR
Pendragon Verlag 2006

Der St. Pauli-Killer »Zappa« hat seine Frau und sich in der Haftzelle getötet. Viele Jahre später will seine Tochter Julia Rache an denen nehmen, die ihn zu diesem Schritt veranlasst haben. Im Hamburg des Jahres 2002 kollidiert ihr Vorhaben mit einem auf politischer Ebene entwickelten »Szenario des Schreckens«.

Göhres Fortsetzung seiner Kiez-Trilogie aus den Neunzigern, ist ein formal ungewöhnliches und hervorragendes Stück Kriminalliteratur auf der Höhe der Zeit. Göhre verknüpft Zeitgeschehen und Thriller eng anhand der Hamburger Lokalpolitik, bindet seine Geschichte an starke Figuren, die wiederum typologische Ähnlichkeiten mit echten Akteuren der Polit- und OK-Szene haben (Schill, die Nachwehen der Pinzner-Affäre etc.) und lässt dadurch den Gedanken an bloßen Regionalismus gar nicht aufkommen. Es geht ihm nicht um die Abschilderung von Realität, sondern um das Arrangement von präzisen Realien mit den Mitteln der Literatur. Und die sind adäquat dem Sujet angepaßt und stammen nicht aus der Rumpelkiste der angeblich »Hohen Literatur« und deren angeblich überzeitlicher Sprache. So sollen Kriminalromane sein: Erzählungen von Menschen, die sich in einer Umwelt bewegen müssen, in der sie nun mal aus verschiedenen Gründen leben. Nix Sensationelles, aber auch nix Kuscheliges, nix Monströses, aber auch nix Beschwichtigendes. Der extreme thrill des ganz normal Wahnsinnigen, durch den wir alle durchmüssen.
THOMAS WÖRTCHE, Kaliber 38

Schon wieder einer dieser lauen Regionalkrimis? Nein, schließlich schreibt auch James Ellroy keine Kiez-Krimis für Lokalpatrioten aus L.A., sondern perfekt orchestrierte, düstre Gesellschaftspanoramen - wie Frank Göhre, der in »Zappas letzter Hit« das Genre meisterhaft zur Durchleuchtung des großen Filzes nutzt.
STERN 46/2006

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